Hallo Freunde,
für alle, die bisher noch keine Möglichkeit hatten, meinen Artikel im Pokerblatt zu lesen, hier mein Text im Original. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen.
High Heels sind eine Leidenschaft, die nicht nur wir Frauen haben.
Zwar werden sie im Normalfall nicht von Männern getragen, wer sieht jedoch nicht gerne einer Frau auf hohen Hacken nach?
Für mich gehören sie nicht nur zu einem festlichen Abend. Vielleicht auch ein Grund, warum ich gefragt wurde, diese Kolumne zu übernehmen. Auf jeden Fall bin ich eine definitive High Heels-Trägerin, was bei meiner Größe von 1,67 m auch dringend notwendig ist.
Aus diesem Grund habe ich auch gerne zugesagt und hier bin ich, Stefanie Bergener. Blond, blaue Augen, schlank - ich denke, ich passe recht gut in High Heels, um mein Blondinen-Image zu erfüllen.
Wenn ich jemandem erzähle, dass ich noch das Mittag- oder Abendessen für meine Kinder kochen muss, kommt fast immer die entsetzte Frage: „Du kochst? Richtiges Essen, nicht aus der Tüte?“ Ja, ich kann sogar richtiges Essen kochen! „Wow, hätte ich nicht gedacht!“ ist dann die Antwort.
Tja, ich habe tatsächlich zwei tolle Söhne, zwei Hunde, einen Beruf und last but not least bin ich Vizeweltmeisterin bei den World Woman’s Open 2008 geworden. Ja echt, ich spiele Poker und das seit über drei Jahren!
Für ein Jahr war ich unter Vertrag bei Everest Poker, ich habe das „Live the Dream“ Casting gewonnen und bin zum Pokern um die Welt gereist. Im Moment habe ich zwar keinen Sponsorenvertrag, jedoch lebe ich meinen Traum weiter und wer weiß, was ich noch alles mit dieser Pokerwelt anstellen werde!?
Meine Nachbarn dachten anfangs, dass ich sehr verdächtig bin. Manchmal gehe ich abends aus dem Haus und komme erst sehr spät wieder zurück. Dass ich jeden Morgen um 6.30 Uhr aufstehe, für meine Kinder Frühstück mache und ihnen bei der Vorbereitung der Schulsachen helfe, habe ich ja nicht gerade an unser Klingelschild geschrieben. Obwohl es mir bestimmt auch niemand geglaubt hätte! Erst als in der ZDF-Sendung „Mona Lisa“ ein Bericht über mich kam, erkannten meine Nachbarn, dass ich sie wohl getäuscht habe und bis auf meine Leidenschaft, dem Pokerspiel, ja doch nicht so „unanständig“ bin, wie sie dachten.
Und wie sieht es mit den Vorurteilen am Pokertisch aus?
Ich denke, jeder von uns hat einfach manchmal seine Klischeevorstellungen, das kann keiner verhindern. Auch ich erwische mich immer wieder einmal dabei, dass ich jemanden in eine Schublade stecke, aus der ich ihn oder sie schleunigst wieder rausholen muss. Jedoch kann man seine Meinung ja revidieren und da wir Pokerspieler nicht so plump sind, wie andere denken, tun wir dies auch.
Zum Thema Männer und Frauen finde ich persönlich, dass wir Frauen im Leben sowie am Pokertisch viele Möglichkeiten haben und diese auch nutzen sollten. Und damit meine ich nicht Brust raus und Bauch rein.
Die Meinung, dass ein Pokertisch einem Machohaufen gleicht, kann ich nicht so teilen. Im Gegenteil, Männer sollen doch männlich sein und wir Frauen weiblich. Sicherlich gibt es Männer, die Höflichkeit verlernt haben, aber auch Frauen die dies wohl nicht mehr mögen und lieber burschikos mit den Jungs in der Ecke stehen und Schnäpschen kippen. Jeder so wie es ihm oder ihr gefällt! Ich habe bisher nur positive Erfahrungen gemacht - selbst mit den viel gerühmten Machos.
Ich will euch ein nettes Beispiel erzählen!
Pokerturnier in Wiesbaden, dort spiele ich sehr gerne. Links neben mir sitzt ein sogenannter Macho! Er ist mit mir in einer Hand und total überzeugt davon, dass ich eben nur eine Frau bin, eigentlich sogar eine typische Blondine. Jedenfalls gewinne ich mit einem Flush und sage mehr aus Spaß zu ihm: „Echt, ich habe gewonnen?“ Darauf bemerkt er: „Ja, Sie haben einen Flush!“ Auf mein „Ehrlich?“ fängt er an mir zu erklären, was ein Flush ist! Aber statt mir zu denken, der meint wohl ich bin blöd, nur weil ich blond bin, muss ich ehrlich sagen, ich fand das nett. Er hat nichts davon böse gemeint, im Gegenteil, mit der Erklärung wollte er mir doch nur helfen. Außerdem haben schon alle anderen am Tisch, die mich kannten, ihn belächelt. Das war wohl schlimm genug.
Was ich damit sagen will:
Wir sind doch alle Pokerspieler und werden manchmal für diese Leidenschaft belächelt. Lasst uns nicht denselben Stiefel anziehen und alles mit mehr Spaß nehmen. Wir haben das beste Hobby, die reizvollste Sportart oder den interessantesten Beruf der Welt. Ich kenne nichts Anderes, wo man so viele unterschiedliche Menschen aller Nationen und verschiedener Charaktere kennenlernt. Niemand - außer vielleicht jemand der sich in Lebensgefahr bringt - hat solche Adrenalin-Kicks, die einen von 0 auf 100 bringen, wie wir Pokerspieler und kann damit auch noch Preise gewinnen. Niemand muss so viele verschiedene Bereiche beim Spiel überdenken und beherrschen. Da können wir doch nur darüber lachen, wenn wir als High Heel-Tussi oder Macho bezeichnet werden, denn wir müssen uns wie ein Chamäleon anpassen können, nur dann werden wir mit unserer Leidenschaft Erfolg haben! Und wer uns das nicht glaubt, hat früher oder später sowieso seine Chips verloren.
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